Ulaanbaatar und unsere letzten Tage in der Mongolei

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Während der Wochen in der mongolischen Einsamkeit und insbesondere bei den Pannen hielten wir uns immer wieder die Hauptstadt vor Augen, die es zu erreichen galt. Nach den ersten beiden Wochen hatten wir schon Sorge, dass wir es nicht schaffen würden das Land innerhalb der 4-wöchigen visumfreien Zeit zu verlassen. Zwar kann man problemlos ein Visum beantragen, aber nur innerhalb von fünf Tagen nach Einreise direkt in Ulanbaatar, was unmöglich ist, wenn man wie wir durch den Westen einreist.

So näherten wir uns der Hauptstadt mit einer gewissen Vorfreude und dies hatte mehrere Gründe:
– Hoffnung auf gutes und vor allem wieder frisches Essen
– Reparatur und Ersatzteile für Toyo und Hänger
– Treffen anderer Reisender und eine entspannte Zeit im Guesthouse Oasis
– Sightseeing und urbanes Leben genießen

Essen

Schon im Vorfeld hatten wir herausgefunden, dass einige vielversprechende Restaurants auf uns warteten und natürlich freuten wir uns auch auf gut sortierte Supermärkte. Absolut empfehlenswert sind das Luna Blanca und Hazara.
Das Luna Blanca ist das erste vegane Restaurant in der Mongolei und bietet neben traditionellen, mongolischen Gerichten viele Salate, Suppen und Nachspeisen. Und als veganes Restaurant steht die Tür natürlich auch vierbeinigen Gästen offen und Emma wurde fast noch freundlicher als wir begrüßt 😉 Wir ließen es uns dort zweimal gutgehen und konnten sogar etwas Milch kaufen (soviel wie Martin bereit war, den Tag über durch die Stadt zu schleppen). Das Hazara ist ein tolles indisches Restaurant, in dem wir ebenfalls zweimal waren und das Restaurant beide Male mit einer starken Knoblauchfahne verlassen haben.

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Das Luna Blanca – mitten im buddhistischen Zentrum

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Reparatur von Toyo und Hänger

Außerhalb Ulaanbaatars beschränken sich Autoreparaturen im Wesentlichen auf Schweißen, Zurechtbiegen und Improvisieren, aber in der Hauptstadt sind eigentlich alle namhaften Automarken mit eigenen Niederlassungen vertreten und sowohl unser Toyo als auch der Trailer hatten nach den mongolischen Pisten und mittlerweile 20.000km auf unserer Reise etwas Regenerationsbedarf. Direkt bei der Ankunft kamen wir an einem großen Toyota-Autohaus vorbei und hielten an, um alles abzuklären. Nach anfänglichen Sprachhürden stellte sich heraus, dass zur Zeit ein amerikanischer Mechaniker, der seit 12 Jahren in Japan bei Toyota arbeitet, in UB ist, um die japanische Toyota-Mentalität und Servicequalität in die erst kürzlich eröffnete Niederlassung zu bringen. Für uns ein Segen, denn mit Eric konnten wir alles im Detail besprechen und er war super hilfsbereit – schnell war vereinbart, was zu reparieren ist und dass wir am nächsten Tag Toyo und Trailer vorbeibringen.
Im Laufe der folgenden Tage kehrte bei uns aber etwas Ernüchterung ein, denn zum Einen stellte sich die Ersatzteilbeschaffung auch für die Profis schwieriger heraus als zunächst angenommen und zum Anderen schafften es die Toyota-Mitarbeiter auch noch an der Vorderachse zu kurze (nicht nur etwas kürzere, sondern es fehlten ein paar Zentimeter) Koppelstangen zu installieren, die uns nach wenigen Kilometern um die Ohren flogen.
In Summe führte es dazu, dass aus ursprünglich geplanten drei bis vier Tagen in UB sechs Tage wurden. Aber das finale Ergebnis passte trotzdem und wir verließen die Stadt um EUR 1.500 ärmer aber mit:
– einem komplett neuen Servolenkungsgetriebe
– zwei neuen OME-Stoßdämpfern an der Hinterachse (die alten geschweißten haben wir jetzt als Ersatz dabei)
– vier neuen Koppelstangen (in der richtigen Länge und wir haben zwei als Ersatz mitbekommen)
– zwei neuen Reifen für den Hänger
– zwei neuen OME-Stoßdämpfern am Hänger und
– einem sauberen Gefährt, das wir kaum wieder erkannt haben 😉

Insbesondere die Beschaffung der OME-Stoßdämpfer war schwierig, da wir jeweils spezielle Modelle benötigten und Toyota diese offiziell nicht vertreibt aber man nur für uns eine Ausnahme gemacht hat. Außerdem können wir uns mit unseren sechs Tagen Reparaturdauer noch glücklich schätzen, nachdem wir im Oasis Mercedes- und Land Rover Defender-Fahrer getroffen haben, die jeweils über zwei Wochen auf Ersatzteile warten mussten und in UB festhingen. Somit sind wir für den zweiten Teil der Reise gut gewappnet und die uns bevorstehenden üblen Pisten in Kasachstan und Co. können kommen.

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Zuerst traute sich niemand Toyo und Hänger zu waschen, weil wir unser Gespann „bemalt“ hatten, aber nach zwei Tagen fragte uns Eric, ob sie es waschen dürfen, als offiziell schmutzigstes Gefährt im Autohaus bis dato 😉

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Rechts die falschen Koppelstangen… links dann mit der richtigen Länge

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Guesthouse Oasis

Wenn man als Overlander in der Mongolei unterwegs ist, ist das Oasis Pflicht. Und auch für uns war es im wahrsten Sinne des Wortes eine Oase in dieser hektischen und lauten Stadt und es war toll auf viele andere Reisende zu treffen und bis spät in den Abend bei kühlen Bierchen über das Reisen, die Welt und das Leben zu philosophieren. So trafen wir hier unter anderem auf einige Deutsche, Italiener, Holländer, Engländer und Australier. Viele nette Gespräche hatten wir mit Johanna und Dirk aus Herford, die mit einem tollen Buschtaxi unterwegs waren. Wir finden es super, dass ihr als Vater und Tochter gemeinsam acht Wochen lang durch das Baltikum, Russland und die Mongolei unterwegs seid. Kommt gut zurück nach Deutschland!
Im Oasis übernachteten wir auch erstmals in einem Ger, da unser ,,Zuhause’’ in der Werkstatt stand. Ebenso erwähnenswert ist es, dass wir hier eine Waschmaschine benutzen konnten – nach knapp zwei Monaten ohne und vor allem nach fast drei Wochen durch die Mongolei, in denen wir kein Wasser zum Waschen übrig hatten, hatte sich so allerhand angesammelt.
Zwei Motorradfahrer-„Schicksale“ müssen wir an der Stelle erwähnen:
– ein Japaner hatte sich in der Gobi den Knöchel gebrochen und ist damit noch bis UB gefahren!
– ein Amerikaner hatte im Verkehrschaos von UB einen Unfall, bei dem er sich unter anderem vier Rippen gebrochen hat, drei Wochen später musste er wieder aufs Motorrad steigen und nach China fahren, da sonst die chinesische Einreiseerlaubnis der gesamten Gruppe erloschen wäre…
Harte Typen, diese Biker!

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Im Oasis

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Unser Ger für eine Nacht

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Sightseeing

Nach unserer Erfahrung gibt es nicht soo viele Sehenswürdigkeiten in UB, natürlich sollte man den zentralen Platz (Sukhbaatar) gesehen haben – wir besichtigten außerdem das sehenswerte Nationalmuseum, die kolossale Dschingis Khan-Statue aus Edelstahl (ca. 50km östlich von UB), den Schwarzmarkt, das buddhistische Gandan-Kloster und ließen uns ansonsten auf einigen Spaziergängen (Toyo in der Werkstatt, Taxi und öffentliche Verkehrsmittel mit Hund nicht möglich) durch die Stadt treiben. Aber um ehrlich zu sein, hat uns die Stadt nicht begeistert und wir waren erstmals auf unserer Reise froh, als wir einen Ort verlassen konnten. Nach Wochen in der Einsamkeit der Natur erschlugen uns Stress, Hektik, Lärm, Luftverschmutzung (UB steht ganz oben auf der Liste der verschmutzten Städte – dagegen ist Stuggi quasi schon ein Luftkurort) und der ganz besondere „Charme“ vieler mongolischer Hauptstadt-Bewohner. Zum Einen kennt man eine private Distanzzone nicht, sodass man ständig Körperkontakt hat und die Menschen sehr, sehr nahe kommen und zum Anderen waren wir mit Emma eine Attraktion im eher negativen Sinne – wir wurden angestarrt, es wurde mit dem Finger auf uns gezeigt und es fühlte sich einfach unangenehm an, wie uns mit Hund begegnet wurde. Zwei Frauen schrien sogar erschrocken auf als sie Emma gesehen haben – wir waren mindestens genauso erschrocken über diese Reaktion.

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Unser erster Blick auf die kälteste Hauptstadt der Welt
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Wir sind froh hier nicht im Winter angekommen zu sein, wenn zusätzlich zu den Kraftwerken auch die Öfen in den unzähligen Gers rund um die Stadt das Atmen nicht erträglicher machen.

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Der Toyota Prius ist hier DAS Auto schlechthin – kein Zoll auf die importierten Hybridfahrzeuge aus Japan und es soll auch bei -30°C oder -40°C noch anspringen.
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…was uns allerdings besser gefallen hat und wohl mindestens das zweithäufigste Auto hier: der Toyota Landcruiser!

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Die Züge und damit ein Großteil des Güterverkehrs rollen hier mitten durch die Wohngebiete.

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Im Hintergrund eines der Wahrzeichen UB’s – das Blue Sky Hotel
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Im Nationalmuseum – der unvermeidliche Dschingis Khan

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Eine kleine Oase inmitten der Stadt

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Traditionelle Festkleidung

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Auf dem Schwarzmarkt
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Ger-Zubehör in sämtlichen Variationen

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Die ATMs sind hier beliebt
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Meist wird direkt aus Containern heraus verkauft

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Buddhistisches Kloster inmitten der Stadt

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Die riesige Dschingis Khan Statue ist komplett aus Edelstahl und wurde von einem der reichsten Mongolen gestiftet
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Im Sockel sind Restaurants und Souvenirgeschäfte und ein Aufzug bringt jeden nach oben, um den Ausblick genießen zu können

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Als wir nach sechs Tagen die Stadt hinter uns ließen, atmeten wir tief durch und konnten es nicht erwarten nach Russland zurückzukehren. Auf dem Weg zur Grenze machten wir noch einen Abstecher zum buddhistischen Kloster Amarbayasgalant und quälten uns dann in über fünf Stunden durch die Grenzformalitäten… und dann hatte uns Russland wieder!

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Das zweitgrößte Kloster des Landes: Amarbayasgalant – weit abgelegen hoch im Norden des Landes.
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Während der Sowjet-Zeit ist das Kloster fast vollständig zerfallen und wir hatten das Gefühl, dass leider nicht viel für die Erhaltung getan wird oder getan werden kann.
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Dazu ereilte uns seit Langem wieder etwas kühleres und trübes Wetter – und das im Land des blauen Himmels, wie die Mongolei mit ca. 300 Sonnentagen im Jahr genannt wird

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13 Kommentare

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  1. Hallo ihr drei! Liebe Grüße aus dem Schwabenländle! 🙂 Heute waren wir im Falafel Beirut und haben bei gutem Essen und leckerem Mokka von Eurer Reise berichtet! Eure Bilder sind einfach nur HAMMER und wir genießen es, eure Berichte zu lesen! Wir wünschen Euch weiterhin eine tolle Reise mit hoffentlich guten Strassenverhältnissen ;-). Melanie, Torsten, Vincent und Joko

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    • Oh wie schön! Sagt ganz liebe Grüße an die beiden, wenn ihr das nächste Mal dort seid – gegen einen Falafelteller hätten wir hier auch nichts einzuwenden 😉 Wir genießen aktuell noch die letzten km auf guten russischen Straßen bis uns bald die kasachischen Pisten einholen. Liebe Grüße ins Schwabenländle 😉

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  2. Marion und Thomas 4. September 2016 — 6:59

    Moin, moin Ihr zwei,

    Seit unserer Radeltour an der Altmühl verfolgen wir eure Berichte mit Spannung. Sie sind echt super!!! So kommen auch wir mal in die Mongolei. Wir freuen uns schon auf eure nächsten Reiseberichte.

    Macht es weiterhin gut.
    Liebe Grüße aus dem heute verregneten Schleswig-Holstein
    Marion und Thomas

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  3. Hallo Ihr Drei,
    Tolle Bilder und faszinierende Berichte.Wir freuen uns,dass es Euch gut geht und der Tojo wieder fit ist.
    Bleibt gesund und weiterhin eine schöne Zeit und bessere Strassenverhältniss 😉Wir freuen uns schon auf die nächsten Berichte.
    Herzliche Grüße aus Thüringen von Andreas, Marc und Martina und natürlich von Lotti 🐶

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  4. Liebe Pia, hallo Martin!
    Inzwischen liest auch mein Mann mit großem Interesse euren Blog😉 Besser als jeder Reisebericht im Fernseher! Bewunderswert, mit welcher Gelassenheit ihr allen Hindernissen begegnet… Weiterhin gute und vor allem sichere Reise und wir sind gespannt auf eure weitere Abenteuer! Liebe Grüße, Sabine

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    • Hallo Sabine & hallo Sabines Mann ;-), das freut uns zu hören! Wir lassen meist etwas Zeit verstreichen bevor wir einen neuen Blog schreiben, dann sieht man manches gelassener als in der jeweiligen Situation selbst 😉 Wir sind auch sehr gespannt, was und nun in den STAN Ländern erwartet & werden berichten. Liebe Grüße aus dem herbstlichen Sibirien

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  5. Liebe Pia, lieber Martin!
    Jetzt seid ihr schon so weit gekommen, seit wir uns in Russland kennenlernten. Wir freuen uns über jeden neuen Bericht eurer tollen Reise! Grüße aus dem Sauerland von Martin & Sabine

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  6. Stimmt, Auto und Anhänger sind ja grün gewesen.
    Aber euer Gespann reinigen zu lassen… Das ist, als würde man eine antike Ming Vase mit Essigreiniger spülen.
    Wenigstens ist Martin’s Patina erhalten geblieben! 😛
    Euch traumhafte Tage mit Sylvia und Hartmut – liebe Grüße! 🙂

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  7. Hallo ,ihr Weltenbummler !
    Euer letzter Blog war wieder ein hochinteressanter Bericht über Eure Erlebnisse in UB, die Bilder dazu einfach toll !!! Inzwischen sind ja nun auch Sylvi und Hartmut am Baikalsee eingetroffen und Ihr werdet sicher gemeinsam viel unternehmen.
    Liebe Grüße von Oma und Opa

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  8. Lieber Martin, liebe Pia,
    nach einem Höllentag in der Bank konnte ich gerade herrlich beim Surfen in Eurem Blog entspannen! Besonders die Mongolei mit Land, Leuten und buddh. Gompas/Klöstern hatten es mir angetan. (Alles andere natürlich auch).
    Ich bewundere Eure Reise sehr. Das muss Freiheit und Genuss pur sein (abgesehen von div. Aktionen/Reperaturen/Schlag- und Sand-Löchern -stürmen – nur die Harten kommen in den Garten!).
    Gruß aus Lubu
    Sabine Janda

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    • Hallo Sabine,
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Hoffentlich überwiegen die guten die schweren Tage in der Bank!
      Die Mongolei war wirklich eine spezielle Erfahrung, es gab atemberaubende Momente, aber manchmal wurden wir vielleicht auch aufgrund falscher Erwartungen etwas enttäuscht… Auf jeden Fall ist Ulan Bator ein Ort, den wir nicht unbedingt nochmal besuchen müssen. 🙈😉
      Die Reise ist definitiv eine einmalige Erfahrung für uns, wir genießen jeden Tag und können es nur empfehlen 😉
      Liebe Grüße nach Lubu

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