Ein Grenzakt über 7 Stunden auf 2000m

In den letzten beiden Tagen in Russland waren die Bäume, Sträucher und grünen Wiesen fast schlagartig den verschiedenen Brauntönen der Steppe, trockenen Gräsern und unzähligen Heuschrecken gewichen, die vor allem Emma auf Trapp hielten. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht so viele wie möglich davon zu essen und wenn das nicht klappte, ihnen zumindest hinterher zu jagen.

Am Dienstagmorgen machten wir uns zur knapp 20 Minuten entfernten Grenze bei Taschanta auf. Einige Autos und LKW aus Russland, der Mongolei und Kasachstan warteten schon vor der Grenze und relativ zügig kamen wir in den Grenzbereich. Dort trafen wir auch auf eine italienische Reisegruppe und fanden es toll, mal wieder eine vertraute und doch so andere Sprache zu hören.

Zuerst musste Martin mit den Fahrzeugpapieren zu einem der Grenzbeamten – drei andere Männer hatten sich schnell vorgedrängelt, obwohl man kaum näher vor dem kleinen Fenster des Beamten hätte stehen können. Irgendwann kam er dann aber dran, mit den Dokumenten war alles in Ordnung und so ging es weiter ins angrenzende Gebäude, in dem wir beide unsere Papiere prüfen ließen. Die russische Beamtin musterte uns streng, aber nach einigem Hin und Her, war auch das geschafft. Also gingen wir wieder raus zum Toyo, an dem auch schon mehrere Beamte warteten. Nachdem Emma sich ebenfalls bemerkbar gemacht hatte, musste ich mit ihren Papieren zurück ins Gebäude, während Martin unsere Dachboxen öffnete und die Beamten Toyo als auch Hänger durchschauten. Den Veterinär störte ich offensichtlich beim Youtube-Videos schauen und er rückte seinen Laptop nur widerwillig zur Seite. Er blätterte durch Emma’s Pass und seine erste Frage war, warum denn kein Bild von ihr im Pass sei. Er blätterte noch ein paar Mal durch die Seiten und sagte dann, wir müssten wieder raus. Ich öffnete die Tür und als ich Emma aus dem Auto holen wollte, winkte er direkt ab, sah sie aus einiger Entfernung kurz an und meinte dann, alles sei in Ordnung. Auch mit unserem Gespann war alles in Ordnung, in den Hänger warfen die Beamten sogar nur einen kurzen Blick und so fuhren wir ein Stück weiter. Nach einer weiteren Passkontrolle verließen wir den Grenzposten und wurden angewiesen die nächsten 20km bis zur mongolischen Grenze auf keinen Fall anzuhalten. Alles in allem waren wir in einer guten Stunde durch die russische Kontrolle gekommen, wir waren begeistert! Die 20km konnten wir zügig durchfahren, unterwegs gab es nichts außer Steppe und einigen Kühen und Ziegen – ob mit mongolischem oder russischem Hintergrund wissen wir nicht 😉 Ein letztes Mal mussten wir unsere Pässe zücken und ein russischer Beamter öffnete uns eine Schranke hinter der die Mongolei begann und uns direkt mit Schotterpiste begrüßte. Nach wenigen hundert Metern erreichten wir den mongolischen Zollbereich vor dem schon circa 20 Fahrzeuge warteten. Nachdem wir beobachtet hatten, dass alle Fahrer zum Grenztor liefen, tat Martin ihnen gleich und musste direkt 50 Rubel zahlen. Wir hatten gelesen, dass alle Fahrzeuge durch ein Desinfektionsbecken fahren müssen, aber das war direkt neben uns und schien lange ausgetrocknet. Egal, zahlen muss man offensichtlich trotzdem und das Wechselgeld in MNT war zu einem fürchterlichen Kurs umgerechnet…

Wir wunderten uns etwas, das aus den Fahrzeugen vor uns die Leute ausstiegen und sich mit Getränken, Knabbereien und Campingstühlen auf die Wiese zurückzogen, doch es wurde uns schnell klar… die Blockabfertigung ging wahnsinnig langsam voran. Immer wieder wurden nur einzelne Fahrzeuge eingelassen und in der Reihe musste man dann sofort nachrücken, sonst drängelte sich ein anderer Fahrer von weiter hinten dazwischen (inzwischen haben wir noch weitere Male erlebt, dass die Mongolen gerne drängeln;-)) Grandioses Schauspiel von dem Fahrer eines Uaschiks, dessen Anlasser offensichtlich defekt war und der jedes Mal hektisch den Jeep ankurbeln musste, um eine Fahrzeuglänge nach vorne zu rollen.
Als wir endlich den Zollabfertigungsbereich erreichten, hatten wir das Pech das zeitgleich ein Minibus mit 20 Insassen abgefertigt wurde, sodass sich auch hier unsere Wartezeit verlängerte. Aber das war noch nichts gegen die Formalitäten der Fahrzeugeinfuhr. Wir wurden von einem Schalter zum nächsten geschickt, es gab neue Formulare, Stempel – alles völlig verwirrend und wir waren uns auch nicht sicher, ob die Grenzbeamten immer genau wussten, was sie taten. Außerdem hatte man an jedem Schalter das Gefühl die Mitarbeiter zu Stören, entweder beim Facebook-Surfen, beim Quatschen mit den Kollegen oder beim Vespern. Dass an diesem internationalen Grenzübergang keiner der Beamten wirklich Englisch sprechen konnte oder wollte, hat uns dann auch nicht mehr verwundert. Mit uns warteten noch einige Russen, die zum Angeln in die Mongolei wollten. Wir verstanden uns auf Anhieb, unterhielten uns und lachten viel. So sehr, dass wir streng ermahnt wurden und im Zollgebäude nicht mehr miteinander reden durften. Ziemlich ungemütlich wurde es, als auf einmal Martins Pass und die Papiere von Toyo und Hänger bei den Beamten nicht mehr auffindbar waren. Erst nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass eine Offizierin draußen am Fahrzeug mit den Unterlagen wartete, uns aber niemand Bescheid gab… Nicht nur einmal fühlten wir uns an den Asterix-Klassiker des Passierscheins A38 im Haus der Verrückten erinnert. Mit Emma’s Einreise lief alles relativ entspannt, auch hier sollte sie nicht aussteigen, sondern wurde nur kurz gemustert und einer der Beamten verschwand mit ihrem Pass. Als es dann doch wieder länger dauerte, ging ich nochmal in das überfüllte Gebäude und sah, wie der Beamte handschriftlich irgendetwas aus Emma’s Pass abschrieb – verrückt.

Nach mehr als sechs Stunden verließen wir erschöpft und müde den mongolischen Grenzbereich, hatten es aber noch immer nicht geschafft, denn wir brauchten noch eine KFZ-Versicherung für die Mongolei. Hierfür gab es lediglich eine Möglichkeit – in einem heruntergekommenen blauen Container direkt hinter der letzten Grenzschranke warteten bereits eine Frau, drei Männer und eine kräftige Alkoholfahne auf uns. Nachdem wir hier um 35 USD für vier Wochen Versicherung erleichtert wurden und aus Höflichkeit noch ein paar Euros in MNT tauschten, wollten wir nur noch weg.

Das war unser anstrengender Start in die Mongolei – und da wussten wir noch nicht, was uns die nächsten Tage erwarten würde.

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Üben für die mongolischen Flussquerungen, von denen wir schon wilde Geschichten gehört haben

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Unser vorerst letzter Abend in Russland

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Vor der mongolischen Grenze

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Mit der Höhe kommen nicht alle gleich gut zurecht…
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Angekommen in der Mongolei

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5 Kommentare

Gib deinen ab →

  1. Witziges Bild mit dem Kamel! 😉
    Viel Spaß bei den Mongolen!

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  2. Hallo Pia,
    Nachträglich herzliche Glückwünsche zu deinem Geburtstag.
    Von Tante Doris und Onkel Albert, Felix und Lukas.
    Wir wünschen euch weiterhin gute Fahrt, bleibt gesund bis zum Wiedersehen.
    Eure Reiseberichte sind sehr interessant, wir verfolgen sie ständig. Tschüss!!!!

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  3. Sabine Babilon 7. August 2016 — 13:48

    …auch aus dem Sauerland nachträglich viele Glückwünsche zu Deinem Geburtstag, Pia!
    Weiterhin spannende Erlebnisse auf Eurer Reise und Gesundheit wünschen Sabine & Martin (SP Petrosawodsk 🙂 )

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