Im russischen Altai-Gebirge

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Nur einige 100km nach Novosibirsk fuhren wir vom Oblast Novosibirsk in die Region Altai. Alleine der Name rief bei uns schon einige Assoziationen und Bilder hervor: einsame Täler- und Bergwelten, Gletscher, das Belucha-Massiv mit über 4000m Höhe,… – wie die Schweiz, nur ohne Touristen und so naturbelassen wie sie wohl vor vielen, vielen Jahrzehnten gewesen sein muss, so beschreiben es Andere.

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Doch zunächst änderte sich das Landschaftsbild kaum, die unzähligen Birkenwälder und Sumpfgebiete zu beiden Seiten der Straße blieben uns noch erhalten. Gleichzeitig nahm die Mückenplage ihren bisherigen Höhepunkt an, sodass wir in der ersten Nacht gleich dreimal weiterfahren mussten und erst gegen 4 Uhr auf einem Rastplatz zur Ruhe kamen. Zum Einen, da der Hänger selbst voll unzähliger Mücken war, und zum Anderen da die Mücken derart penetrant waren, dass sie uns trotz fast vollständiger „Verhüllung“ in Nasen, Ohren und Augen krochen.

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Unzählige Schwalben bauen hier ihre Nester

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Kurze Zeit später erreichten wir die erste große Stadt in der Altai Region: Barnaul (keine Millionenstadt mehr, ca. 600k Menschen leben dort). Dort wollten wir in erster Linie Kartenmaterial für das Gebirge kaufen und auch eine neue Kaffeekanne – die Vierte seit Beginn unserer Reise 😉 Karten fanden wir leider nicht und auch in den Geschäften, die uns empfohlen wurden, konnte man uns nicht weiterhelfen, dafür gab es eine neue Kaffeekanne. Auch in Barnaul fanden sich die unserer Meinung nach typischen Elemente einer russischen Metropole: ausgedehnte, breite Straßen entlang der Prachtbauten, ein riesiges Lenin-Denkmal, viele Parks, eine schöne Uferpromenade und meist auch mehrere Badestrände direkt im Zentrum. Da wir nicht in ein aufziehendes Gewitter geraten wollten, verließen wir die Stadt schon gegen Nachmittag und fuhren weiter in Richtung Gorno-Altaisk. Kurz nach der Stadtgrenze deutete uns ein Straßenpolizist an, dass wir Anhalten sollen. „Endlich mal wieder!“, dachten wir, denn wir wurden bis dato kaum kontrolliert und hatten generell mit deutlich mehr Kontrollen gerechnet. Mit den Pässen in der Hand verließen wir den Toyo – seit einigen Wochen bellt Emma jeden, der sich dem Auto nähert, an und das wollten wir bei der Polizei vermeiden. Sieben Polizisten umringten uns, schüttelten uns die Hände, lachten, drückten uns jeweils zwei Flaschen Limo in die Hand und dann mussten wir posieren, während eine Polizistin Bilder machte. Nach unseren Pässen wurde nicht einmal gefragt und die Limo war eisgekühlt ziemlich gut. Völlig verdutzt haben wir selbst leider kein Bild von der Szenerie machen können, hoffen aber inständig, dass wir jetzt von irgendeiner Vitrine in Barnaul grinsen 😉

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Barnaul

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Zwei Tage später erreichten wir Gorno-Altaisk und machten dort nur einen kurzen Zwischenhalt, um direkt weiter zum abgelegenen Teletskoje See zu fahren. Der Weg dorthin war traumhaft, die Landschaft wurde hügeliger und es gab wieder unzählige Stände an den Straßenrändern mit allem, was die lokalen Gärten zu bieten haben. Eine schöne Anekdote von einem unserer Einkäufe: für den Garten Zuhause waren wir auf der Suche nach Gemüsesamen. Ausgestattet mit einer Übersetzung aus dem Google Translator versuchten wir unser Glück an einem passend aussehenden Stand und mit einem Fingerzeig auf Martin wurde uns dort sehr ernst ein offensichtliches Potenzmittel vorgestellt. Wir mussten uns sehr beherrschen nicht lauthals loszulachen, lehnten dankend ab und kauften stattdessen einen harmlos aussehenden Kräutertee.

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Die Zapfen sind eine Spezialität der Region
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Und immer wieder Birkensträuße, um sich in der Banja gegenseitig „zu schlagen“ 😉
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Rote, gelbe und sogar schwarze Himbeeren – ein Traum!

Je näher wir dem See kamen, desto mehr russische Touristen sahen wir. Die Ufer der Biya waren fast schon überflutet mit russischen Campern und der Rauch der Lagerfeuer stieg überall auf. Doch am See angekommen, verschlug es uns fast die Sprache: wir waren jetzt wirklich mitten im Touristen-Mekka angekommen. Wir hatten zuvor gelesen, dass der See bei russischen Touristen sehr beliebt sei, aber solche Massen hatten wir nicht erwartet. Nachdem wir durch das kleine Städtchen am Ufer des Sees gefahren waren, wussten wir, dass wir hier wohl alles finden werden, nur kein einsames Fleckchen – also entschieden wir uns für einen der „Campingplätze“ am äußersten Ortsrand. Umgeben von vielen Familien und Jugendgruppen kochten wir auf dem Feuer, tranken Met aus 1.5l PET-Flaschen und spürten, wie wir uns zu den Klängen von viel zu lautem russischen Techno mit den russischen Touristen assimilierten. Dass die Musik bis 2 Uhr nachts nicht leiser gedreht und vielmehr am nächsten Morgen direkt von traditionellen Volksgesängen abgelöst wurde, verstärkte den Effekt nur noch. Wir blieben zwei Nächte, schauten uns die vielen Stände an, die vor allem Ketten, Ringe, Holzschnitzereien und auch Wollunterwäsche aus der Mongolei verkaufen und ich nutzte die Gelegenheit und machte einen Reitausflug entlang des dicht bewachsenen Ufers.

 

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Eingelegte Gurken – und wirklich überall gibt’s frischen Dill!

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Seit wir im Altai sind, hat es jeden Tag geregnet, wenn meist auch nur kurz. Nach drei Wochen Hitze war das aber für uns eine wilkommene Abwechslung.
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Teleskoje – See

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DIE Sitzposition in Russland, ob an der Bushaltestelle, neben dem Auto oder vor dem Lagerfeuer… 😉

Wieder zurück in Gorno-Altaisk steuerten wir die Migrationsbehörde an, um uns nach einer Genehmigung für das Belucha-Massiv, das unmittelbare Grenzregion zu Kasachstan ist, zu erkundigen. Dort gab es zunächst etwas Aufregung. Jeder, der sich länger als sieben Tage an einem Ort aufhält, muss sich in der zuständigen Behörde der jeweiligen Stadt registrieren und auch wieder abmelden. Da dass bei uns bis dato nur in St. Petersburg der Fall war, hatten wir entsprechend nur eine Registrierung vorzuweisen, die das Hotel für uns übernommen hatte. Wir hatten im Vorfeld schon überlegt, wie wir mit den Registrierungen umgehen wollen, denn hier gibt es sehr viele verschiedene Informationen über die Häufigkeit als auch die Notwendigkeit überhaupt. Schlussendlich haben wir uns gegen umständliche und teure Registrierungen (meist können sie nur in höherpreisigen Hotels gemacht werden) entschieden, vor allem, da wir in der Regel nicht länger als 2-3 Tage an einem Ort verbringen. Die Mitarbeiterinnen waren aufgeregt, da wir ihnen auch keine Tank-, Einkaufs-, oder sonstige Belege zeigen konnten, die nachgewiesen hätten, wie wir den Weg seit St. Petersburg mit eigenem Fahrzeug zurückgelegt haben. Die zwei Damen mit denen wir gesprochen hatten, holten eine dritte Frau hinzu: die ehemalige Deutschlehrerin Frau Schmitt. Sie erklärte uns, dass wir die Nacht in einem der Hotels der Stadt verbringen müssen, um uns wieder zu registrieren. Außerdem sollten wir fortan jeden Beleg aufbewahren und uns alle sieben Tage erneut registrieren. Über die Genehmigungen für die Altai Region hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesprochen und eine der Frauen hatte zwischenzeitlich auch schon Feierabend gemacht. Auf unsere Nachfrage sagte Frau Schmitt, wir können auch ohne Genehmigung sehr schöne Gegenden sehen, welche genau das sind und welche eben auch nicht, konnte sie uns mit Ausnahme des Belucha Massivs leider auch nicht sagen. Etwas unentschlossen verließen wir das Amt, lasen danach noch einiges im Internet nach und entschieden uns in Bezug auf die Registrierung so weiterzumachen wie bisher.
Bezüglich des Belucha-Massivs ist nun unser Kenntnisstand, dass jeder Ausländer, der es bereisen möchte, zwei Monate vor Einreise nach Russland einen Antrag stellen muss. Individualtouristen ist dies wohl nur schwerlich möglich und man sollte am besten über eine Agentur gehen.

Wieder zurück auf dem Chuisky Trakt, der Hauptstraße von Sibirien in die Mongolei, trafen wir nach längerer Zeit wieder auf Fernreisende: Flo und Michel aus Neubrandenburg. Sie waren in ihrem Peugeot in unglaublichen neun Tagen von Neubrandenburg bis zum Fuße des Altai gefahren! Spontan suchten wir uns gemeinsam einen Übernachtungsplatz, kochten am Lagerfeuer und sprangen am nächsten Morgen in die eiskalte Katun. Da die beiden in sieben Wochen von Neubrandenburg über die Mongolei bis nach Peking unterwegs sind, hatten sie einen etwas strafferen Zeitplan als wir und unsere Wege trennten sich nach dem Frühstück. Wir sind sehr gespannt, was ihr berichten werdet!

 

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Stockbrotteig am Feuer, während das Zelt der Jungs zum ersten Mal zum Einsatz kommt

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Je näher wir der Grenze kamen, desto mehr Reisende kamen uns aus der Mongolei entgegen. Unter anderem Karl-Heinz mit seinem Kangal Kali im riesigen Magirus-Deutz, was uns natürlich besonders freute, da es immer spannend ist zu erfahren, welche Erfahrungen Andere unterwegs mit ihren Vierbeinern machen. Mit kurzem Stopp in Deutschland ist Karl-Heinz seit vielen Jahren auf der ganzen Welt unterwegs und hatte dementsprechend viele Geschichten zu erzählen. Wir tauschten Nummern aus und werden uns vielleicht nochmal im Herbst in den STAN-Ländern treffen.

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Uns hat es im russischen Teil des Altai-Gebirges wahnsinnig gut gefallen. Der Chuisky Trakt bot tolle Ausblicke und vor allem eine sehr gut befahrbare Strecke. Die vielen Abstecher entlang der Strecke aber haben für uns den Reiz ausgemacht: Natur pur, ursprüngliche, einfache Siedlungen, unzählige Herden (vor allem Ziegen, Kälber und Pferde) und immer wieder die Katun mit reißenden Wassermassen, die sich durch das Gebirge schlängelt. Das alles hat die schlechten bis sehr schlechten Pisten auf denen wir meist nur mit 20-30 km/h unterwegs waren, mehr als erträglich gemacht. Was uns jedoch aufgefallen ist, ist der deutlich offensichtlichere Alkoholkonsum in den Dörfern. Einige Male wurden wir angesprochen und darum gebeten Alkohol für die Männer zu kaufen, die schon einiges getrunken hatten. Auch sahen wir Männer hinter Gebäuden oder direkt neben Kinderspielplätzen liegend, wahrscheinlich um ihren Rausch auszuschlafen. Das alles mag es auch im restlichen Teil von Russland geben, allerdings haben wir in unseren acht Wochen kaum einmal offensichtliche Alkoholiker oder Betrunkene gesehen. Neben dem „normalen“ Müll inmitten der Natur, den wir häufig antreffen, fanden wir hier viele Wodkaflaschen und Patronenhülsen – ein besonderes Hobby ist es auf Verkehrsschilder zu schießen – viele sind regelrecht durchsiebt.

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Die Polizei-Limo!

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Tägliches Straßenbild

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Die heiligen Plätze sind immer leicht zu erkennen
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Die gewaltige Katun!

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Der Stellplatz schlechthin!
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Zu Beginn unserer Reise als auch zuhause waren maximal die Pfoten im Wasser. Aber nach unzähligen, geworfenen Stöcken ist Emma hier das allererste Mal geschwommen – und war danach fix und fertig 😉

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An der mongolischen Grenze.

14 Kommentare

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  1. Alexandra Günther 31. Juli 2016 — 21:57

    Hallo ihr Lieben
    Was für ein toller Bericht, hätte noch ewig lesen können.
    Euer Gesicht hätte ich zu gerne gesehen, als euch die Polizisten die Limonade schenkten 😁.
    Die Bilder sind auch wieder toll.
    Das eine Bild, war das alles Honig?
    Habt eine schöne Zeit in der Mongolei und hoffentlich sind da auch alle so nett zu euch wie bisher.
    Liebste Grüße Alex

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  2. Oh schade. Schonwieder durchgelesen 😉 Eure Berichte machen wirklich Spaß auf mehr! Vielen Dank für diese inspirierenden Tagträume! Viele Grüße Julia

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  3. Liebe Pia,
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.
    Vor allem viel Gesundheit für euch drei und noch ganz viele wundervolle Erlebnisse und tolle Menschen auf eurer Tour.

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  4. oma und opa aus arnstadt 2. August 2016 — 17:53

    hallo, liebe pia !
    du feierst dieses jahr deinen geburtstag in der mongolei, das ist schon etwas besonderes. wir gratulieren
    dir herzlich und wünschen gesundheit und viel glück weiterhin auf eurer großen reise.
    eure berichte lesen wir immer wieder gerne und erfreuen uns an den schönen bildern.
    viele liebe grüße an euch beide von den großeltern aus arnstadt

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  5. Martina Helbig 2. August 2016 — 21:12

    Hallo Ihr Lieben ,
    wir haben wieder mit Spannung Eure Berichte gelesen und finden es toll , dass Ihr uns an Euren Erlebnissen mit teilhaben lasst. Tolle Bilder.
    Liebe Pia ,
    Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Gebutstag alles Gute, Gesundheit und noch viele interessante Erlebnisse und Menschen auf Eurer Reise. Wir freuen uns schon wieder die neuen Berichte aus der Mongolei
    Liebe Grüsse von Andreas , Marc , Martina und Lotti🐕
    Wir freuen und ,dass Emma schwimmt 👍

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  6. Tja Pia,

    selbst wenn man bis in die tiefste Mongolei fährt, bewahrt einen das nicht vom älter werden ;)!
    Auf jeden Fall wünschen wir dir [sain bükh züil ni törsön ödör]! (Hoffentlich haben wir dich jetzt nicht beleidigt oder Martin für drei Ziegen feilgeboten, sondern dir auf mongolisch alles Gute zum Geburtstag gewünscht…)
    Hat Martin sich anlässlich deines Ehrentages ausnahmsweise mal die Haare gekämmt?! Wir denken an euch 😉
    Küsschen
    Pete und Andi

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  7. Hallo Pia,

    wir wüschnen Dir ebenso alles alles Gute zum Ehrentag – natürlich auch viel Glück und noch viele schöne Momente auf der Reise.
    Bilder + Bericht sind mal wieder sensationel- weiter sol!!!

    Lasst es euch gut gehen und beste Grüße an den blonden Zottel 🙂

    LG Jen & Ben

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  8. Silke Ackermann 5. August 2016 — 8:10

    Lustiges Foto von Emma, wie sie aus dem Fenster schaut. Sie ist ein richtiger Globetrotter und erlebt so viel mit euch.
    Liebe Grüße

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