Von sibirischen Cowboys, Schlammlöchern und deutsch-russischen Häusern

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Unsere Reise ist unverändert von ganz besonderen Begegnungen geprägt…

In der Nähe von Omsk verbrachten wir zwei Tage an einem tollen Stellplatz in einem lichten, schattenspendenden Birkenwäldchen an einem kleinen Weiher und erholten uns von den aufwühlenden Erlebnissen im Ural. Hier konnten wir ungestört in der Hängematte entspannen, mit Emma Fussball spielen (ihr neuestes Hobby :-)), Lesen, Kochen, Seele baumeln lassen… Hinzukam, dass dieser Ort auf der täglichen Route eines sibirischen Cowboys mit seiner Kuh- und Schafherde lag. Ein echter Cowboy – locker über 70, schulterlanges Haar, Kette rauchend, die Beine ergonomisch um den Pferdeleib geformt, Buch lesend auf dem Pferderücken, während seine Herde weidete… Romantik pur! Am ersten Abend wechselten wir nur ein paar Worte aber am zweiten Tag luden wir ihn auf einen Kaffee zu uns ein und er blieb bis zum Abend mit seiner Herde bei uns am Lagerfeuer. Das heißt wir waren von mehr als 10 Kühen, 1 Bullen, 1 Pferd, 1 Fohlen und bestimmt 30 Schafen umgeben – und insbesondere der junge Bulle hatte viel Energie und Neugier. Immer wieder kam er sehr nah zu uns, rieb sich an unserem Hänger, „spielte“ mit unseren Campingstühlen und knabberte an unserer zum Trocknen aufgehängten Wäsche. Wir hatten gehörigen Respekt und waren umso beeindruckter zu erleben, wie der Hirte mit seinen Tieren umging. Er hatte sie mit Reden und verschiedenen Pfeiftönen völlig im Griff, nur beim Bullen musste ab und an mal die Peitsche durch die Luft zischen.

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Auf unserer Reise durch Sibirien haben wir viele weitere Cowboys, Hirten auf Motorrädern oder sogar im Buhanka (dem typischen russischen Kleinbus, der an ein fahrendes Kastenbrot erinnert) gesehen. Viele der umherziehenden Schaf-, Ziegen-, Kuh- oder Pferdeherden sind aber auch komplett alleine und frei unterwegs – toll!

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Kurz vor Novosibirsk machten wir dann eine weitere besondere Bekanntschaft – bei der bis dahin reichlich erfolglosen Stellplatzsuche waren wir auf einer abgelegenen Piste unterwegs und meinten in einem Wäldchen endlich einen passenden Platz gefunden zu haben. Dazwischen lag nur noch eine Wiese mit Fahrspuren, die wir queren mussten. Und hier passierte es dann, wir fuhren uns in einem Schlammloch fest – trotz Untersetzung und beider Sperren ging nichts mehr vor oder zurück… Also Gummistiefel an und raus in den Matsch. Vorne staken wir bereits bis zur Achse im Schlamm, hinten sah es besser aus. Glücklicherweise war eine kräftige Birke in der Nähe, sodass wir uns mit Seilwinde und Bergegurt langsam selbst aus dem Loch befreien konnten. Puh, Feuertaufe im Ernstfall bestanden! 🙂

 

 

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In Novosibirsk angekommen, steuerten wir das zentral gelegene deutsch-russische Haus an – eine Kultur- und Bildungseinrichtung, die es in Moskau, Tomsk, Kaliningrad, Smolensk, Barnaul und eben Novosibirsk gibt. Da wir in einem anderen Blog gelesen hatten, dass man dort auf dem Parkplatz übernachten durfte, wollten wir auch unser Glück versuchen. Natürlich waren wir unangemeldet und sorgten zunächst für etwas Verwirrung beim Parkplatz-Wächter und der hinzugerufenen Mitarbeiterin. Alles ging steif und förmlich zu – wie man es bei einer deutschen Exklave im Ausland auch erwartet 🙂 Glücklicherweise stellte sich dann heraus, dass wir für zwei Nächte bleiben durften, die Duschen in der benachbarten Schule nutzen konnten und Strom bekamen. Allerdings wurde uns ein knackiger Preis abverlangt… Trotzdem war dies ein guter Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden. Newski-Kathedrale, Opern- und Ballett-Theater, Ob-Promenade, Zaren-Denkmal, die berühmten Markthallen, UdSSR-Museum — es gab viel zu sehen. Und natürlich genossen wir das urbane Leben mit guten Cafe’s und Restaurants. Am Abend gesellte sich der Nachtwächter Boris zu uns. Wir konnten ihn nicht davon abhalten, sein Abendessen aus der Tupperdose fast vollständig an Emma zu verfüttern, die ihm nicht von der Seite wich, während er uns laute sibirische Musik von seinem Handy vorspielte und zu tanzen begann… herrlich! Am nächsten Tag machten wir durch Emma eine weitere Bekanntschaft: ein etwas angetrunkener Mann war uns durch die Stadt gefolgt und als wir im Schatten eines Parks Pause machten, um der Hitze etwas zu entkommen, stand er wieder vor uns. Offensichtlich wollte er Emma etwas zu Essen geben, wir lehnten mehrmals dankend ab, aber er blieb hartnäckig. Wir konnten gar nicht so schnell reagieren, wie Emma die 500g Wurst verdrückt hatte, die er aus seiner Tasche geholt hatte. So nett gemeint diese Geste war, die Folgen waren unter anderem, dass wir nachts mehrmals mit Emma raus mussten, da es ihr gar nicht gut ging.… Alles in allem hat Novosibirsk als heimliche Hauptstadt Sibiriens viel Charme und uns außerordentlich gut gefallen – locker hätten wir hier noch mehr Zeit verbringen können, aber das Altai-Gebirge hat gerufen!

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Ziemlich eng… eine weitere Nacht auf dem „Truckerparkplatz“.
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DREI Monate on tour – in Omsk
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Eine andere Art von Supermarkt

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Hinter uns das deutsch-russische Haus und dahinter wiederum die Schule, in der auch Deutsch unterrichtet wird.

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Ihr seht das komplette UdSSR-Museum auf einen Blick 😉

Auf dem weiteren Weg zum Altai folgten wir anstatt der Schnellstrasse dem Verlauf des gewaltigen Ob, der teilweise eher an einen See als einen Fluss erinnerte und fanden einen traumhaften Stellplatz am Ufer gelegen, an dem wir die Eindrücke der letzten Tage sacken lassen konnten.

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Wir werden bei nächster Gelegenheit unsere Eindrücke aus dem Altai mit euch teilen, aktuell sind wir kurz vor der mongolischen Grenze und werden in 1 oder 2 Tagen in die Mongolei einreisen.

 

7 Kommentare

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  1. Hallo Marpia,

    es ist immer ein Vergnügen von euch zu lesen! Die Bilder bringen mich ins Träumen. Ich wünsche euch weiterhin alles Gute auf eurer Reise und immer eine starke Birke in der Nähe, wenn nötig!

    Liebe Grüße
    Steffi

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  2. Hartmut Priebe 24. Juli 2016 — 17:54

    ……..den Cowboy find´ ich Klasse:-) der Stier sieht schon etwas beängstigend aus. Genießt weiterhin die Freiheit und weitere tolle Begegnungen in der Mongolei.Es macht immer wieder Spaß, eure Eintragungen zu lesen.

    Liebe Grüße
    Hartmut und Sylvia

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Pia, hallo Martin,

    als begeisterte Leserin eures Blogs wird es echt mal Zeit, dass ich euch das auch wissen lasse :-).. freue mich immer einen neuen Beitrag zu entdecken und eure unterhaltsamen, lebendigen, wissenwerten Artikel zu lesen ..(könnte von mir aus auch gerne immer mehr sein, da sich die Beiträge so toll lesen lassen + und die Fotos klasse sind )…

    Meinen Wunsch nach Norwegen zu reisen, hat sich durch eure Berichte verstärkt und dann hoffentlich mit dem Rad…:.-)

    Finde es toll durch eure Berichte von Ländern und Städten zu lesen von denen man sonst kaum bzw. nichts hört.

    Wünsche euch weiterhin eine schöne Reise mit vielen netten Menschen und Wegbegleitern und freue mich von euren Erlebnissen zu lesen! Toll, dass ihr uns daran teilhaben lasst und euch die Zeit dafür nehmt.

    @ Pia: Im Geschäft unterhalten wir uns des Öfteren über eure Reise und euren Blog (alle restlos begeistert) und denken an euch.

    Liebe Grüße Mirjam

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Mirjam,
      wie schön zu hören und es freut mich, dass dir unsere Berichte gefallen. Es macht uns immer Spaß die Bilder auszusuchen und Texte zu schreiben – außerdem verkürzt es so manche Autofahrt;-)
      Und den Norwegentrip musst du unbedingt machen, unsere Räder haben wir dort auch des Öfteren vermisst. Gib gerne Bescheid, wenn ihr Tipps für die Reiseplanung braucht!
      Liebe Grüße, auch an alle anderen

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  4. Hey Pia und Martin, immer wieder klasse Neues von Euch zu lesen. Gefühlt haben wir uns letzte Woche noch in Norwegen gesehen, und jetzt steht Ihr schon vor den Toren der Mongolei – wow! Wirklich tolle Tour und immer wieder schöne Bilder. Melli und ich schauen immer wieder nach was es Neues von Euch gibt. Auf Russland waren wir ja gespannt, aber Mongolei wird der Flitzebogen 😉
    Grüße aus dem Hamsterrad, Greetz, Tobi und Melli

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