Kasachstan – mehr als nur Steppe

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Ehrlich gesagt, ist Kasachstan ein Land auf das wir uns fast nicht vorbereitet hatten. Im Vorfeld hat es für uns zu den „einfachen“ Ländern gehört, da wir das Land 15 Tage visafrei bereisen dürfen und somit erst einmal froh waren, dass keine weiteren organisatorischen Schritte notwendig waren. Aufgrund der unglaublichen Größe des Landes und den wilden Geschichten, die wir über die kasachischen Straßen beziehungsweise Pisten in den letzten Wochen von anderen Reisenden gehört hatten, haben wir uns auf viele Fahrtage mit jeweils wenig absolvierten Kilometern eingestellt – quasi wie in der Mongolei. Hinzu kam eine Art Widerstreben Russland nach einer so tollen Zeit zu verlassen und die Vorfreude auf Kirgistan, sodass Kasachstan immer etwas außen vor war.

Jetzt, da wir das Land schon wieder verlassen haben, müssen wir sagen, dass wir uns mehr Zeit gewünscht hätten. Wir rufen uns zwar häufig ins Gedächtnis, dass wir nicht alle sehenswerten Orte und Landschaften besuchen können, aber in Kasachstan haben uns einfach ein paar Tage gefehlt. Aber gut – kommen wir dazu, was wir gesehen und erlebt haben.

Im Vorfeld und insbesondere in den letzten beiden Wochen in Russland war uns Saltanat, eine Freundin aus Kasachstan, die ich im Rahmen meines Auslandssemesters in Ljubljana kennengelernt hatte, eine große Hilfe. Sie hat uns viele Informationen über sehenswerte Orte, Ausflüge, Tipps für gute Restaurants und Supermärkte in Almaty zusammengestellt. Außerdem ist sie quasi 24h am Tag erreichbar und hat in der Regel in wenigen Minuten geantwortet – perfekt für spontane Fragen. Zusätzlich haben wir unser letztes russisches Datenvolumen dafür genutzt uns darüber hinaus zu informieren und unsere Route zu konkretisieren.

Nach dem super einfachen und schnellen Grenzübergang (Wiedersehen am Baikal) warteten wir schon darauf, dass sich die gut asphaltierte Straße in eine katastrophale Piste verwandeln würde. Und wir warteten und warteten… vergeblich. Schlussendlich war die Route, für die wir uns entschieden hatten bis auf den Weg zum Sharyn-Canyon und Teile des Weges zu den Kolsai-Seen komplett asphaltiert. Zwar gab es einige Passagen mit üblen Schlaglöchern, aber diese wurden durch einige komplett neue 4-spurige Autobahnen mehr als wett gemacht.

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Augen zu und durch

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Natürlich gibt es trotzdem viel Steppe 😉

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Nach den schon sehr herbstlichen Tagen (und richtig kalten Nächten) in Sibirien wurden wir hier je weiter wir südlich fuhren von Temperaturen bis zu 30°C überrascht und mussten uns schnell eingestehen, dass wir unsere Sommerklamotten doch noch nicht alle hätten verstauen müssen. Aber die Nächte blieben sehr kühl. Auch gab es wieder unzählige Straßenstände mit lokalem Gemüse und Obst direkt vom Feld nebenan. Und bei jedem Kauf bekam ich weiteres Obst geschenkt. Kasachstan ist zudem gefühlt ein zweites Südtirol, zumindest was die Dichte an Apfelbäumen angeht – es scheint das Obst schlechthin zu sein. Nicht zu vergessen die unendlichen Mengen an Melonen…
Besonders an den Straßenständen, aber auch an Tankstellen, in Supermärkten (bzw. kleinen „Magazins“) oder bei kurzen Pausen am Straßenrand begegnete uns die kasachische Herzlichkeit jeden Tag. So tauschten wir auch hier mancherorts unsere Handynummern mit einigen Kasachen aus, selbst wenn die Kommunikation schon auf direktem Wege schwierig war. So füllt sich langsam unsere Sammlung lustiger und unverständlicher SMS in diversen Sprachen.

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Melonen direkt vom Feld

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Etwas unerwartet war für uns, dass wir teilweise Schwierigkeiten hatten Diesel zu bekommen. An einigen Tankstellen wurden wir abgewiesen, an anderen bekamen wir erst nach Rücksprache mit dem Chef Treibstoff… Das führte für uns dazu, dass wir in jeder größeren Siedlung versuchten aufzutanken, auch wenn es manchmal nur 15 Liter waren. Außerdem mussten wir an manch abenteuerlicher Zapfsäule tanken, die wir sonst sicher nicht angesteuert hätten. Aber zum Glück hat der Toyo alles anstandslos verbrannt und wir sind gut durchgekommen. Übrigens haben wir im Schnitt nur ca. EUR 0,32 für den Liter Diesel bezahlt.

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Historische Zapfsäule – immer noch in Betrieb

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Anstellen für ein paar Liter Diesel

Viele Reisende hatten uns im Vorfeld gesagt, Kasachstan bestünde nur aus Steppe und sei äußerst reizarm. Das können wir nach unseren 15 Tagen vor Ort nicht bestätigen. Insbesondere der Süden des Landes mit den Ausläufern des Tien Shan Gebirges (bis ca. 5000m) hat uns sehr gut gefallen. Wir verbrachten zwei Nächte am Sharyn Canyon (im Südosten gelegen) – einer bizarren Landschaft aus feuerrotem Gestein und dem eisblauen Wasser des Sharyn-Flusses. Wunderbar! Wir durften problemlos gegen eine geringe Eintrittsgebühr von ca. EUR 5 direkt im Naturpark übernachten.

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Fußball-News checken… 🙂

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Etwas weiter abgelegen fanden wir die Kolsai-Seen – drei Hochgebirgsseen an der Grenze zu Kirgistan. Die befahrbare Strecke endet am ersten See, vorher muss man aber eine Mautstelle des Nationalparks und des Militärs passieren. Auch hier konnten wir gegen ein kleines Entgelt von ca. EUR 8 passieren und zwei Nächte am ersten See verbringen. Hier bot sich uns ein Bild, das wir sogar nicht mit Kasachstan in Verbindung gebracht hätten: steile Felswände, sattgrüne Wälder und kristallklares Wasser des Kolsai-Sees. Die drei Seen liegen wie an einer Perlenschnur aufgereiht im Hochgebirge, See 2 und 3 sind aber nur zu Fuß oder zu Pferd erreichbar. Bis vor 15 Jahren etwa konnte man sogar noch über den Pass die grüne Grenze nach Kirgistan überqueren und anschließend zum Issyk-Kul (dem kirgisischen Meer) absteigen. Das muss eine traumhafte mehrtägige Tour gewesen sein… Aufgrund der verschärften Grenzbedingungen ist dies nun aber nicht mehr möglich und auf kasachischer Seite wird auch sehr genau hingeschaut, das sich alle an die Regeln halten.
Am nächsten Tag machten wir uns an den Aufstieg zu See Nummer 2, ca. 10km entfernt und 500 Höhenmeter zu bewältigen. In Verbindung mit mehrstündigem Regen, der teilweise Eisregen wurde, hat die Tour hin-und-zurück fast den ganzen Tag in Anspruch genommen. Leider hat uns der Regen die Ankunft am zweiten See auch etwas getrübt, der eigentlich sogar noch schöner als der erste See sein soll. Trotzdem war es eine tolle Wanderung und eine willkommene Abwechslung nach den vielen Fahrtagen.
Nachdem wir die Kolsai-Seen verlassen haben, machten wir noch eine Zwischenübernachtung am See Qapschagai und stürzten uns dann in das bunte Treiben Almatys.

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Hier kommen noch ein paar Schnappschüsse:

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Emmas Konkurrenz am Wassernapf
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Mittagspause bei 30 Grad

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Zuckermangel muss niemand leiden
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Zum Feiern braucht es nicht viel mehr als laute Musik und Wodka am Straßenrand
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Die Schuluniformen sind sensationell
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Die kleinen Jungs haben wir im Anzug sogar Basketball oder Fußball spielen sehen

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Die Friedhöfe fallen mit prächtigen Gräbern ins Auge

 

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Camping an der Hauptverkehrsroute der Tierherden…

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